Narrenstück
oder
Das Wundern des Dolmetschers beim Betrachten der Welt



Jan Cornelius spricht etwas merkwürdig: Er rollt das "R", und seine Sprachmelodie hat einen eigenartigen Singsang. Deshalb wird er bisweilen gefragt, was er denn eigentlich für ein Landsmann sei. Darauf kann er nur antworten: "Raten Sie doch mal." Ganz in der Tradition des Narren, den Cornelius in vielen seiner Arbeiten etwa für den Eulenspiegel oder den WDR-Hörfunk bereits gemacht hat, erzählt sein autobiographisch geprägter Roman: Im Alter von drei Jahren war ich beim Betrachten der Erdkugel fest überzeugt, die Menschen in Australien oder Argentinien würden mit dem Kopf nach unten und den Beinen nach oben durch die Gegend laufen, und das fand ich ganz prima. Wie gerne hätte auch ich dort gelebt!"Dem Erzähler, der Dolmetscher wird und dem die Flucht aus Rumänien in den 1970ern gelingt, bleibt meistens nichts anderes übrig, als sich beim Betrachtender Geschehnisse um ihn herum zu wundern. Auch, nachdem er sich in Deutschland eingelebt hat und die ganze Welt bereisen kann, wünscht er sich manchmal, dass der Westen doch im Osten läge, oder in gewisser Weise umgekehrt. Lachen und Leid liegen hier nah beieinander: Bei guter Unterhaltung wird gesellschaftlicher Zwang sichtbar und all zu Menschliches unnachahmbar karikiert.

(Horlemann, 2013 - ISBN-10: 3895023485, ISBN-13: 978-3895023484)



Rezensionen


Der aberwitzigste Roman des Frühjahrs (keine Angst, eine Diktatur ist auch dabei) kommt aus Deutschland. Wie bitte? Gut, zur Hälfte stammt er aus Rumänien. Jan Cornelius, Autor und Übersetzer, ist 1977 aus dem rumänischen Banat in das Land geflohen, aus dem seine Vorväter einst aussiedelten. Nicht nur die Umstände seiner Flucht sind hanebüchen, doch Cornelius versichert, dass alles genauso gewesen sei. Schließlich ist das Buch eine Autobiografie. Nach Ansicht des Westens ist das Leben eines östlichen Europäers ja ein Unglück. Aber ein irres, rief das absurde Theater Ionescos, das seinen Anfang in Rumänien nahm. Und der Tscheche Hrabal sagte, das Leben im Osten sei gar kein Pech, sondern eine Tragödie. Sogar mehr als das: eine Komödie. Cornelius ist ein Schüler von Ionesco und Hrabal, sogar mehr als das: von Hasek. Der war bekanntlich Vater des Schwejk. Es gibt auch Bitteres zu berichten: Psychiatrie, Securitate. AmEnde aber ist Cornelius' Rezept gegen vermeintliche Sackgassen und echte Diktatoren das Reiten ohne Pferd. Das Narrentum. Es wirkt in Ost wie West.

Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung, am 4./5. Mai, 2013 und Frankfurter Rundschau, 7. Mai, 2013



Jan Cornelius schreibt mit bissiger Ironie, hintergründigem Wortwitz, treffenden Anspielungen und einer sprachlichen Leichtigkeit, die das Narrenstück zu einem breit verständlichen Lesevergnügen macht.
Empfehlung für viele Bibliotheken.

ekz, Leserdienst für öffentliche Bibliotheken



Der besondere Reiz dieses Romans entsteht aus der Mischung aus verzweifeltem Humor und komischem Realismus.

www.faust-kultur.de



So vielfältig anregend und unterhaltsam „Narrenstück oder Das Wundern des Dolmetschers beim Betrachten der Welt“ sich liest, immer mal wieder glaubt man auch zu spüren, wie der Autor gelegentlich mit seiner sozialen Umwelt hadert, sich aufregt, frustriert ist und auch wütend wird. Über Klischees und Vorurteile etwa. Er wehrt sich dagegen mit Witz und zum Schmunzeln einladenden Humor. Und manchmal auch, wie in der Schlussszene, mit „Dracula-Biss“.
„Narrenstück oder Das Wundern des Dolmetschers beim Betrachten der Welt“ ist ein treffender Titel. Er hält, was er verspricht.“


Buchkritik.at



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